ETFs kaufen: So funktioniert der Einstieg für Anfänger

ETFs gehören zu den beliebtesten Möglichkeiten, langfristig Vermögen aufzubauen. Doch wie kann man ETFs eigentlich kaufen? In diesem Artikel erfährst du, wie der ETF-Kauf funktioniert, welche Möglichkeiten es gibt und worauf Einsteiger*innen achten sollten.
💡 Das Wichtigste auf einen Blick
ETFs kannst du grundsätzlich auf zwei Arten kaufen: selbst über einen Broker oder automatisiert über einen Robo-Advisor.
Für den direkten ETF-Kauf benötigst du ein Wertpapierdepot, über das du Wertpapiere an der Börse handeln kannst.
Der Kaufprozess ist meist einfach: Depot eröffnen, ETF auswählen und Kauforder aufgeben.
Anleger*innen können ETFs entweder einmalig investieren oder regelmäßig über einen ETF-Sparplan besparen.
Beim ETF-Kauf können Kosten entstehen, zum Beispiel Ordergebühren, Spreads oder laufende ETF-Kosten wie die TER.
Viele Anleger*innen nutzen ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau, da sie eine breite Streuung über viele Wertpapiere ermöglichen.
Zwei Wege für den Einstieg
Wenn du ETFs kaufen möchtest, hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Du kannst ETFs selbst über einen Broker kaufen oder die Geldanlage über einen Robo-Advisor automatisiert verwalten lassen.
ETFs über einen Broker kaufen
Beim direkten Kauf über einen Broker entscheidest du selbst, welche ETFs du kaufen möchtest und wie dein Portfolio aufgebaut ist.
Ein Broker ist ein Anbieter, der den Handel mit Wertpapieren an der Börse ermöglicht. Er vermittelt zwischen Käuferinnen und Verkäuferinnen und stellt die technische Infrastruktur bereit, über die Wertpapierorders ausgeführt werden.
Früher wurden solche Transaktionen oft telefonisch über persönliche Broker abgewickelt. Heute erfolgt der Handel meist digital über Online-Broker oder sogenannte Neo-Broker. Über deren Handelsplattform kannst du ETFs während der Börsenöffnungszeiten – oder teilweise auch im außerbörslichen Handel – kaufen und verkaufen.
Der Vorteil: Du behältst die volle Kontrolle über deine Geldanlage und kannst dein Portfolio selbst zusammenstellen.
ETFs über einen Robo-Advisor investieren
Alternativ kannst du auch über einen Robo-Advisor in ETFs investieren.
Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung. Statt selbst einzelne ETFs auszuwählen, beantwortest du zunächst einige Fragen zu deinen Anlagezielen, deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont. Auf Basis dieser Angaben erstellt der Anbieter ein passendes Portfolio – meist aus mehreren ETFs.
Die Verwaltung des Portfolios erfolgt anschließend automatisiert und regelbasiert. Ein Robo-Advisor kümmert sich dabei in der Regel auch um Aufgaben wie Portfolioanpassungen oder Rebalancing.
Diese Form der Geldanlage eignet sich vor allem für Anleger*innen, die möglichst wenig Zeit in ihre Geldanlage investieren möchten und die Verwaltung lieber einem professionellen System überlassen.
Beide Wege ermöglichen dir den Zugang zum ETF-Markt – sie unterscheiden sich jedoch darin, wie viel Zeit und Entscheidung du selbst in deine Geldanlage investieren möchtest.
ETFs selbst kaufen: So funktioniert der Kauf über einen Broker
Wenn du ETFs selbst kaufen möchtest, erfolgt der Kauf in der Regel über einen sogenannten Broker. Ein Broker ist ein Anbieter, der den Handel mit Wertpapieren an der Börse ermöglicht. Über ihn kannst du ETFs kaufen oder verkaufen.
Damit du ETFs kaufen kannst, benötigst du zunächst ein Wertpapierdepot. Ein Wertpapierdepot funktioniert ähnlich wie ein Konto für Wertpapiere. Dort werden deine gekauften ETFs und andere Wertpapiere verwahrt. Gleichzeitig kannst du im Depot jederzeit sehen, wie sich deine Geldanlage entwickelt.
Heute erfolgt der Wertpapierhandel in den meisten Fällen digital über Online-Broker oder sogenannte Neo-Broker. Über eine App oder eine Handelsplattform kannst du ETFs auswählen, Kauforders aufgeben und dein Portfolio verwalten.
Der Kauf von ETFs über einen Broker erfolgt meist in wenigen einfachen Schritten.
1. Broker auswählen
Zunächst entscheidest du dich für einen Anbieter, bei dem du dein Depot eröffnen möchtest. Dabei können verschiedene Kriterien eine Rolle spielen, zum Beispiel:
Höhe der Handelsgebühren
verfügbare ETF-Sparpläne
Benutzerfreundlichkeit der App oder Plattform
Produktangebot des Brokers
Viele Online-Broker ermöglichen heute einen einfachen Zugang zu einer großen Auswahl an ETFs.
2. Wertpapierdepot eröffnen
Nachdem du einen Broker ausgewählt hast, eröffnest du dein Wertpapierdepot. Die Depoteröffnung erfolgt heute meist vollständig online und dauert häufig nur wenige Minuten.
Dabei gibst du persönliche Daten an und bestätigst deine Identität – zum Beispiel über ein Video-Ident-Verfahren oder eine digitale Identifikation. Nach erfolgreicher Eröffnung kannst du Geld auf dein Depotkonto einzahlen und mit dem Kauf von ETFs beginnen.
3. ETF auswählen
Im nächsten Schritt wählst du den ETF aus, den du kaufen möchtest.
Viele Anleger*innen orientieren sich dabei an bekannten Indizes wie dem MSCI World oder anderen breit gestreuten Marktindizes.
Wichtig ist, dass der ETF zu deiner persönlichen Anlagestrategie, deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft passt.
4. Kauforder aufgeben
Sobald du dich für einen ETF entschieden hast, kannst du eine Kauforder aufgeben.
Dabei legst du fest:
welchen ETF du kaufen möchtest
wie viele Anteile du kaufen willst oder
welchen Geldbetrag du investieren möchtest
Der Broker führt deine Order anschließend an der Börse aus.Nach der Ausführung werden die gekauften ETF-Anteile in deinem Depot verbucht. Du bist damit am entsprechenden ETF beteiligt und nimmst an dessen Wertentwicklung teil.
Einmalanlage oder ETF-Sparplan: Zwei Wege zu investieren
Wenn du in ETFs investieren möchtest, hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Du kannst einen Betrag auf einmal investieren (Einmalanlage) oder regelmäßig kleinere Beträge über einen ETF-Sparplan anlegen. Beide Varianten haben unterschiedliche Eigenschaften und können – je nach Situation – sinnvoll sein.
Einmalanlage in ETFs
Bei einer Einmalanlage investierst du einen Geldbetrag auf einmal in einen oder mehrere ETFs. Der Vorteil: Dein gesamtes Kapital arbeitet sofort für dich und kann von möglichen Kurssteigerungen profitieren.
Allerdings besteht auch das Risiko, zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzusteigen – etwa wenn die Kurse kurz nach dem Kauf fallen. Den perfekten Einstiegszeitpunkt zu treffen, ist jedoch kaum möglich. Niemand kann zuverlässig vorhersagen, wie sich die Märkte kurzfristig entwickeln.
Viele Anleger*innen verfolgen deshalb einen langfristigen Ansatz: Sie investieren, sobald Kapital verfügbar ist, und bleiben anschließend möglichst lange investiert. Nicht umsonst besagt eine bekannte Börsenweisheit: Zeit im Markt schlägt Markttiming.
ETF-Sparplan
Alternativ oder ergänzend zur Einmalanlage kannst du auch über einen ETF-Sparplan investieren. Dabei legst du fest, dass regelmäßig ein bestimmter Betrag automatisch in einen ETF investiert wird. Das Intervall bestimmst du selbst. Viele Anleger*innen wählen einen monatlichen Sparplan, häufig kurz nach dem Gehaltseingang.
Ein ETF-Sparplan eignet sich besonders, wenn du langfristig Vermögen aufbauen möchtest, aber nicht sofort eine größere Summe investieren kannst oder willst. Ein weiterer Vorteil ist der sogenannte Cost-Average-Effekt: Da du regelmäßig investierst, kaufst du mal zu höheren und mal zu niedrigeren Kursen. Dadurch kann sich dein durchschnittlicher Kaufpreis über die Zeit glätten. Ein Sparplan reduziert außerdem das Risiko, eine größere Summe genau zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu investieren.
Kosten beim ETFs Kaufen
Beim ETF-Kauf können verschiedene Kosten entstehen. Manche Gebühren fallen direkt beim Kauf oder Verkauf an, andere sind laufende Kosten des ETFs selbst. Welche Kosten tatsächlich entstehen, hängt vor allem vom Broker, vom Handelsplatz und vom gewählten ETF ab.
Laufende Kosten des ETFs (TER)
ETFs verursachen auch laufende Kosten, die direkt im Fonds anfallen. Diese werden über die sogenannte Total Expense Ratio (TER) angegeben. Die TER beschreibt die jährlichen Verwaltungskosten eines ETFs. Dazu gehören zum Beispiel Kosten für das Fondsmanagement, die Verwaltung und den Betrieb des Fonds. Diese Gebühren werden nicht separat vom Konto abgebucht, sondern direkt dem Fondsvermögen entnommen.
Wie hoch die TER eines ETFs ist, kannst du im Factsheet des ETFs nachlesen. Bei vielen großen Standard-ETFs liegt sie häufig im Bereich von etwa 0,1 % bis 0,3 % pro Jahr.
Spread
Ein weiterer oft übersehender Kostenfaktor ist der Spread, auch Handelsspanne oder Geld-Brief-Spanne genannt. Das ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapiers. Er entsteht während des Handels und kann je nach Liquidität des ETFs oder den Handelszeiten variieren. Besonders außerhalb der Haupthandelszeiten können Spreads breiter sein, was den Kauf oder Verkauf verteuert.
💡 Spread – warum es zwei Kurse gibt und was das für dich bedeutet
Der Spread bezeichnet im Wertpapierhandel die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapier. Wenn du einen ETF an der Börse kaufst oder verkaufst, gibt es also nicht nur einen Kurs, sondern zwei:
Briefkurs (Angebotspreis für ein Wertapier; „Ask“): Der Preis, den du zahlen musst, wenn du einen ETF kaufen willst.
Geldkurs (Nachfragepreis für ein Wertpapier; „Bid“): Der Preis, den du bekommst, wenn du den ETF verkaufen willst.
Der Briefkurs liegt immer über dem Geldkurs. Kaufst du also einen ETF und verkaufst ihn sofort wieder, würdest du einen Verlust erzielen.
Beispiel: Du kaufst einen ETF zum Briefkurs von 100 €. Der Geldkurs liegt gleichzeitig bei 99€. Der Spread beträgt demnach 1 € oder 1 %. Würdest du den ETF sofort wieder verkaufen, bekämst du nur 99 € – und hättest 1 € Verlust pro Anteil, obwohl sich der Kurs nicht verändert hat. Du kannst den Spread daher als indirekte Kosten verstehen. Denn im Beispiel muss der Kurs des ETF erst einmal um 1 Prozent steigen, damit du ihn Verlust verkaufen kannst.
Warum aber gibt es zwei Kurse und nicht nur einen? An der Börse treffen ständig Käuferinnen und Verkäuferinnen mit unterschiedlichen Preisvorstellungen aufeinander: Käufer*innen wollen möglichst günstig kaufen und Verkäufer*innen möglichst teuer verkaufen. Es herrscht also das Prinzip Angebot und Nachfrage. Damit der Handel jederzeit funktioniert – auch wenn sich Angebot und Nachfrage gerade nicht direkt treffen –, springen sogenannte Market Maker ein. Sie stellen für Wertpapiere Kauf- und Verkaufskurse bereit und übernehmen kurzfristig selbst Anteile, um Käufe oder Verkäufe sofort möglich zu machen. Der Spread ist dabei ihre Marge – also die kleine Preisdifferenz, mit der sie dieses „Service-Risiko“ ausgleichen.
Transaktionskosten und Depotgebühren
Neben TER und Spread können beim Kauf oder Verkauf eines ETFs auch direkte Gebühren des Brokers entstehen.
Dazu gehören zum Beispiel:
Ordergebühren für den Kauf oder Verkauf eines ETFs
Depotführungsgebühren für das Wertpapierdepot
mögliche Börsenplatzentgelte
Viele Online-Broker bieten inzwischen kostenlose Depots an. Häufig sind auch ETF-Sparpläne kostenfrei, während für Einmalanlagen Gebühren anfallen können.
Worauf Anfänger beim ETF-Kauf achten sollten
ETFs gelten als einfache Möglichkeit, am Kapitalmarkt zu investieren. Trotzdem gibt es einige grundlegende Punkte, die besonders Einsteiger*innen beachten sollten.
Langfristig investieren: ETFs eignen sich vor allem für einen langfristigen Vermögensaufbau. An den Kapitalmärkten kann es kurzfristig immer wieder zu Kursschwankungen kommen. Wer investiert, sollte daher einen ausreichend langen Anlagehorizont einplanen, um solche Schwankungen ausgleichen zu können.
Auf breite Diversifikation achten: Ein wichtiger Vorteil vieler ETFs ist ihre breite Streuung. Viele Anleger*innen setzen daher auf ETFs, die ganze Märkte oder Regionen abbilden, zum Beispiel Weltindizes. Dadurch verteilt sich das Investment auf viele verschiedene Unternehmen und das Risiko einzelner Positionen wird reduziert.
Kosten im Blick behalten: Auch wenn ETFs im Vergleich zu vielen anderen Anlageprodukten häufig günstiger sind, können dennoch Kosten entstehen. Dazu gehören zum Beispiel Ordergebühren, Spreads oder die laufenden Kosten eines ETFs (TER). Ein Blick auf diese Kosten hilft dabei, unterschiedliche Angebote besser zu vergleichen.
Nicht versuchen, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu treffen: Viele Anleger*innen versuchen, den „besten“ Zeitpunkt für einen Einstieg zu finden. In der Praxis ist das jedoch kaum möglich, da sich kurzfristige Marktbewegungen nur schwer vorhersagen lassen. Häufig ist es sinnvoller, früh zu investieren und langfristig investiert zu bleiben, statt auf den perfekten Moment zu warten.
Häufig gestellte Fragen
Felix Coutandin-Freund
Marketing Manager
Felix ist ETF-Professional und seit über 15 Jahren am Kapitalmarkt investiert. Bei VisualVest sorgt er dafür, dass kompliziertes Finanzwissen verständlich wird.

Artikel weiterempfehlen
Du fandest den Artikel informativ oder hilfreich? Dann teile ihn gern mit Menschen in deinem Umfeld – vielleicht ist er auch für sie interessant.
Die Geldanlage in Fonds ist mit Risiken verbunden, die zu einem Verlust deines eingesetzten Kapitals führen können. Historische Werte oder Prognosen geben keine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Bitte mach dich deshalb mit unseren Risikohinweisen vertraut.