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Verfasst am: 9.1.2026

Was erwartet uns 2026 am Kapitalmarkt?

Frau sitzt am Laptop vorm Fenster mit Ausblick auf eine Berglandschaft

Wie steht es 2026 um Wirtschaft, Geldpolitik und Anlagetrends? Alles Infos dazu haben wir dir in unserem Kapitalmarktausblick 2026 zusammengefasst.

2025 war ein gutes Jahr für viele Anleger*innen. Die positive Entwicklung, die 2022 begann, hat sich inzwischen im dritten Jahr in Folge fortgesetzt. Vor allem Aktienmärkte aus dem Technologie- und Zukunftsbereich legten stark zu. Gleichzeitig war das Marktumfeld nicht frei von Herausforderungen: politische Unsicherheiten, neue Handelszölle und geopolitische Konflikte sorgten immer wieder für Schwankungen. Auch 2026 dürfte keine ruhige Fahrt werden – umso wichtiger ist eine breit gestreute Geldanlage mit einem langfristigen Plan.

    Wirtschaft: Solides Wachstum mit Unsicherheiten

    USA: In den USA erwarten viele Analyst*innen ein nur leichtes Wachstum. Grund dafür sind die Zölle, die von der US-Regierung eingeführt wurden. Diese treiben voraussichtlich die Inflation vorerst weiter nach oben. Zur Jahresmitte könnte der Höhepunkt erreicht sein. Danach dürfte die Kaufkraft wieder steigen, was gut für die US-Konjunktur wäre. Denn: Der private Konsum spielt in den USA eine besonders wichtige Rolle.

    Europa & Deutschland: In Europa rücken vor allem die Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung in den Fokus. Besonders Deutschland dürfte hier zu anderen Ländern im Euroraum aufholen. Zudem dürfte im Euroraum die Fiskalpolitik das Wachstum ankurbeln. Insgesamt erwarten unsere Expert*innen, dass die Wirtschaft in Europa 2026 schrittweise an Fahrt gewinnt – insbesondere in der zweiten Jahreshälfte.

      Geldpolitik: Fed unter Druck, EZB auf Kurs

      In den USA könnte die Notenbank Fed die Zinsen 2026 weiter senken – allerdings nicht nur wegen wirtschaftlicher Gründe. Auch politische Einflüsse könnten zunehmen, vor allem wenn der aktuelle Fed-Chef im Mai 2026 ersetzt wird.

      In Europa sieht es dagegen anders aus: Hier wird die Inflation voraussichtlich in der Nähe des EZB-Ziels von 2 % bleiben. Deshalb sind weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank eher unwahrscheinlich.

        Kapitalmärkte: Freundliches Umfeld, aber nicht ohne Risiko

        Wachstum, weniger Inflation, eine lockerere Geldpolitik und Fiskalimpulse im Euroraum sprechen für ein solides Marktumfeld 2026. Besonders für risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien könnte das Chancen bergen.

        Aber: Es gibt weiterhin Unsicherheiten. Dazu zählen etwa der Wettbewerb zwischen China und den USA oder neue politische und geopolitische Entwicklungen. Solche Themen können für Unruhe an den Märkten sorgen.

          Künstliche Intelligenz (KI) bleibt relevant

          KI war 2025 einer der wichtigsten Treiber an den Märkten – und viele gehen davon aus, dass es 2026 auch so bleiben wird. Viele Unternehmen investieren weiter stark in KI-Infrastruktur und -Kapazitäten. Das weckt hohe Erwartungen, birgt aber auch Enttäuschungspotenzial, wenn Fortschritte ausbleiben. Langfristig sehen Analyst*innen in KI jedoch ein enormes Potenzial, gerade durch mögliche Produktivitätssteigerungen.

          Immer wieder tauchen auch Sorgen einer KI-Blase auf. Im Moment sehen unsere Expert*innen aber keine echte Gefahr dafür. Die Erwartungen an künstliche Intelligenz sind allerdings sehr hoch und nicht alle Hoffnungen werden sich sofort erfüllen – weder 2026 noch in den Jahren danach. Das bedeutet: Es kann immer wieder zu Enttäuschungen und stärkeren Schwankungen an den Märkten kommen. Trotzdem ist man langfristig optimistisch, was KI angeht. Wichtig ist: Alle diese Einschätzungen sind Prognosen – sie können sich ändern, je nachdem, wie sich Märkte und Technologien weiterentwickeln.

            Weitere Chancen: Industrie, Logistik, Infrastruktur

            Wenn die Wirtschaft wieder an Fahrt aufnimmt, könnten – neben KI – auch andere Firmen stärker ins Blickfeld rücken. So könnten sich die Unterschiede zwischen dem hohen Gewinnwachstum bei KI-Firmen und dem allgemeinen Wirtschaftswachstum nach und nach ausgleichen.

            Deshalb lohnt es sich, das eigene Portfolio breit aufzustellen. Das heißt: Nicht nur auf wenige Technologiewerte setzen, sondern auch auf zyklische Unternehmen aus Bereichen wie Industrie, Logistik oder Dienstleistungen schauen. Zyklische Unternehmen sind Firmen, deren Gewinne und Umsätze stark von der allgemeinen Wirtschaftslage (Konjunkturzyklus) abhängen.

            Auch in Europa könnten sich Chancen ergeben. Viele europäische Unternehmen – zum Beispiel aus dem Bau- oder IT-Bereich – könnten von den angekündigten Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung profitieren. Gleichzeitig sind die Bewertungen aktuell im Vergleich zu anderen Märkten oft günstiger.

            Trotzdem gilt: Risiken bleiben – gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Daher bleibt es sinnvoll, weltweit zu streuen.

              Unternehmensanleihen

              US-Staatsanleihen werden schwieriger einzuschätzen – nicht nur wegen der steigenden Schulden, sondern auch wegen der politischen Unsicherheiten. Im Gegensatz dazu erscheinen Euro-Rentenpapiere mit guter bis sehr guter Bonität (sogenanntes "Investment Grade") als Beimischung im Portfolio attraktiver. Dies liegt daran, dass Unternehmen in Zeiten des Wandels schneller reagieren können als Staaten. Auch Anleihen aus Schwellenländern oder aus südeuropäischen Ländern können Chancen bieten – allerdings bei höherem Risiko in Form von Kurs- und politischen Unsicherheiten und eingeschränkter Handelbarkeit.

                Rohstoffe: Durchwachsenes Bild

                Bei Rohstoffen erwartet dich ein gemischtes Bild: Edelmetalle könnten durch die US-Schuldenlage gestützt werden, bleiben aber schwankungsanfällig. Besonders beim Goldpreis kann es zeitweise zu Korrekturen kommen, da der Markt für Edelmetalle in Summe überbewertet ist. Bei vielen weiteren Industriemetallen wie Kupfer ist das Angebot knapp – das kann die Preise steigen lassen.

                Insgesamt dürften Rohstoffe langsamer auf wirtschaftliche Erholungen reagieren als Aktien. Deshalb könnten sie vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2026 interessant werden.

                  Fazit: Chancen nutzen, Risiken im Blick behalten

                  Die Aussichten für 2026 sind insgesamt positiv. Wirtschaftswachstum und eine stabile Inflationslage schaffen gute Voraussetzungen. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll – politische Unsicherheiten und neue geopolitische Konflikte sind nicht ausgeschlossen.

                  Auch wenn es Unsicherheiten gibt, bieten sich am Kapitalmarkt immer wieder gute Chancen. Wichtig ist, überlegt zu handeln: Risiken nicht ausblenden – aber auch nicht die Möglichkeiten verpassen, die sich am Kapitalmarkt langfristig bieten können.

                    Felix Coutandin-Freund

                    Marketing Manager

                    Felix ist ETF-Professional und seit über 15 Jahren am Kapitalmarkt aktiv. Bei VisualVest sorgt er dafür, dass komplexes Finanzwissen verständlich und alltagstauglich wird.

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                    Die Geldanlage in Fonds ist mit Risiken verbunden, die zu einem Verlust deines eingesetzten Kapitals führen können. Historische Werte oder Prognosen geben keine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Bitte mach dich deshalb mit unseren Risikohinweisen vertraut.