ETF-Kosten erklärt: TER, Spread und Gebühren

Du kaufst ETF-Anteile für 100 €. Also kostet dich dein Investment 100 €? Nicht ganz. Denn nicht alle ETF-Kosten tauchen als Gebühr auf deiner Abrechnung auf. Manche stecken im ETF, andere entstehen erst beim Kauf oder Verkauf. Wieder andere hängen von deinem Broker ab.
Das Wichtigste auf einen Blick
ETF-Kosten entstehen an drei Stellen: im ETF selbst, beim Handel und bei deinem Broker.
Die TER zeigt bestimmte laufende Kosten eines ETFs pro Jahr und wird als die Gesamtkostenquote bezeichnet. Eine TER von 0,20 % entspricht bei 10.000 € Anlagevermögen somit rechnerisch 20 € pro Jahr.
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Er spielt eine Rolle, wenn du ETF-Anteile handelst.
Welche Order-, Sparplan-, Depot- oder Servicegebühren anfallen, hängt von deinem Anbieter und davon ab, wie du investierst.
Die niedrigste TER macht einen ETF nicht automatisch zum günstigsten Investment. Für einen sinnvollen Kostenvergleich solltest du vergleichbare ETFs und die für dich relevanten Kosten zusammen betrachten.
Welche Kosten entstehen bei einem ETF?
Bleiben wir bei deinen 100 €. Du kaufst einen ETF, lässt ihn im Depot liegen und verkaufst ihn irgendwann wieder. Auf diesem Weg können dir Kosten an drei Stellen begegnen: im ETF selbst, beim Handel und bei deinem Anbieter.
Im ETF entstehen laufende Kosten für die Verwaltung und den Betrieb des Fonds. Einen wichtigen Teil davon zeigt die Gesamtkostenquote TER, die in den offiziellen Unterlagen des ETFs ausgewiesen wird.
Beim Handel können Transaktionskosten entstehen, wenn du ETF-Anteile kaufst oder verkaufst, etwa durch den Spread oder eine Ordergebühr.
Bei deinem Anbieter können weitere Gebühren hinzukommen, zum Beispiel für das Depot oder zusätzliche Services.
Das heißt, du siehst nicht alle diese Kosten als Abbuchung auf deinem Konto. Manche werden direkt berechnet, andere stecken bereits im ETF oder entstehen über den Kauf- und Verkaufskurs.

Was ist die TER?
Die Total Expense Ratio (TER), auf Deutsch Gesamtkostenquote, gibt bestimmte laufende Kosten eines ETFs in Prozent pro Jahr an. Dazu gehören zum Beispiel Verwaltungs- und Betriebskosten des ETFs oder Lizenzgebühren.
Beispiel:
0,20 % TER, was bedeutet das eigentlich in Euro? Hast du 10.000 € in einen ETF mit einer TER von 0,20 % investiert, entsprechen die laufenden Kosten rechnerisch 20 € pro Jahr. Bei 1.000 € sind es 2 €, bei 50.000 € 100 €. Eine klassische Rechnung dafür bekommst du allerdings nicht. Die Kosten werden direkt in der Weiterentwicklung des Fonds berücksichtigt, also dort von der Performance des jeweiligen Fonds abgezogen, und nicht separat von deinem Konto abgebucht.
Der Begriff „Gesamtkostenquote“ kann allerdings täuschen: Die TER enthält nicht alle Kosten deines ETF-Investments. Nicht enthalten sind etwa der Spread, Ordergebühren sowie Transaktionskosten, die entstehen, wenn innerhalb eines ETFs im Rahmen einer Umschichtung zum Beispiel Aktien gekauft oder verkauft werden.
Was ist der Spread bei ETFs?
Du möchtest einen ETF kaufen. Kaufpreis: 100,10 €. Im selben Moment könntest du ihn aber nur für 99,90 € verkaufen. Wo sind die 20 ct geblieben?
Dahinter steckt der Spread. Beim ETF-Handel gibt es nicht nur einen Preis für den Kauf und Verkauf von Aktien, sondern zwei: den Briefkurs, zu dem du den gewählten ETF kaufen kannst, und den in der Regel etwas niedrigeren Geldkurs, zu dem du ihn verkaufen kannst. Die Differenz zwischen beiden Kursen wird Spread genannt.
Doch warum gibt es überhaupt zwei Preise? Der Spread dient im Wesentlichen als Risikoprämie und Verdienst für professionelle Börsenhändler, sogenannte Market Maker. Durch den ständigen An- und Verkauf von Wertpapieren ermöglichen sie die sofortige Ausführung deiner Order.
In unserem Beispiel beträgt er 0,20 € beziehungsweise rund 0,20 %. Anders als die TER fällt der Spread nicht laufend an, sondern nur, wenn du aktiv handelst, also beim Kauf und Verkauf deiner ETF-Anteile.
Warum verändert sich der Spread?
Der Spread hat kein festes Preisschild. Er kann sich sogar innerhalb eines Handelstages verändern.
Ein Beispiel: Du handelst einen ETF auf US-Aktien, während die Börsen in den USA noch geschlossen sind. Dann ist schwerer einzuschätzen, welchen aktuellen Preis die enthaltenen US-Aktien haben. Der Spread kann deshalb größer ausfallen.
Sind die Börsen der im ETF enthaltenen Wertpapiere dagegen ebenfalls geöffnet und wird viel gehandelt, können Kauf- und Verkaufskurs näher beieinanderliegen. Die aktuellen Angebots- und Nachfragesituation ist somit ebenfalls ausschlaggebend für die Kurse.
Die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Spread:
Liquidität (Handelsvolumen): Je häufiger ein ETF gehandelt wird, desto geringer ist der Spread. Beliebte ETFs, etwa auf dem MSCI World oder den DAX, haben deshalb häufig enge Spreads.
Handelszeit (Uhrzeit): Der Spread ist häufig besonders gering, wenn die Börsen geöffnet sind, an denen die im ETF enthaltenen Wertpapiere gehandelt werden – zum Beispiel Xetra bei deutschen Wertpapieren von 09:00 bis 17:30 Uhr. Außerhalb dieser Zeit erhöhen Market Maker den Spread als Risikopuffer.
Volatilität (Kursschwankungen): Springt ein Kurs bei Nachrichten oder Krisen wild hin und her, steigt das Risiko für den Market Maker. Er kann den Spread daher ausweiten, um sich vor Verlusten zu schützen.
Wettbewerb zwischen Handelsplätzen: Börsen konkurrieren um Anleger*innen. Ein Handelsplatz mit vielen Teilnehmenden bietet daher oft bessere Spreads als kleinere Marktplätze.
Wie groß der Spread ausfällt, kann also von unterschiedlichen Faktoren abhängen.

Welche weiteren Gebühren gibt es?
TER und Spread sind nicht die einzigen Kosten. Auch dein Broker, dein Depot und die Art, wie du investierst, können Geld kosten.
Ordergebühren: Was kostet der Kauf?
Kaufst oder verkaufst du ETF-Anteile, kann dein Anbieter dafür eine Ordergebühr verlangen. Sie kann als fester Betrag, prozentual oder als Kombination aus beidem berechnet werden.
Kostet eine Order pauschal 2 €, zahlst du bei einem Kauf in Höhe von 500 € allein dafür 0,4 % des investierten Betrags. Bei einer Order in Höhe von 5.000 € sind es dagegen nur 0,04 %. Manche Broker berechnen aber auch einen pauschalen Prozentbetrag deiner Ordergröße als Gebühr. Ein Vergleich des Gebührenmodells verschiedener Broker ist also ratsam.
Je nach Handelsplatz können zudem noch weitere Entgelte oder Fremdkosten hinzukommen. Welche Kosten gelten, findest du im Preis- und Leistungsverzeichnis des Anbieters.
Sparplankosten: Was kostet regelmäßiges Investieren?
Du investierst jeden Monat 100 € per ETF-Sparplan. Verlangt dein Anbieter dafür beispielsweise 1 % Ausführungsgebühr, kostet jede Ausführung 1 €. Über zwölf Monate wären das 12 €. Die allermeisten Broker verzichten jedoch mittlerweile auf diese Gebühr und bieten kostenlose ETF-Sparpläne an.
Depotgebühren: Was kostet das Aufbewahren?
Um ETFs handeln zu können, brauchst du ein Depot bei einem Broker. Bei vielen Anbietern ist das mittlerweile kostenlos. Kostenlos heißt allerdings nicht immer bedingungslos. Manche Broker bieten die kostenlose Depotführung beispielsweise nur bis zu einem bestimmten Depotwert an. Wird dieser Wert, zum Beispiel 50.000 € überschritten, fallen Kosten an. Andere Anbieter wiederum verlangen grundsätzlich eine Depotgebühr. Prüfe deshalb, ob und wenn ja, was dein Depot dauerhaft kostet und welche Bedingungen gelten. Detaillierte Informationen findest du auch hier: Was ist ein Depot?
Servicegebühren: Wofür zahlst du zusätzlich?
Bei digitalen Vermögensverwaltungen oder anderen Investmentservices können zusätzliche Service- oder Verwaltungsgebühren anfallen. Dafür übernimmt der Anbieter je nach Modell zum Beispiel die Zusammenstellung, Überwachung oder Anpassung deines Portfolios.
Was kostet ein ETF wirklich?
0,20 % TER, 0,10 % Spread, 2 € Ordergebühr – kannst du das einfach zusammenrechnen? Nicht ganz. Denn diese Kosten entstehen zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Nehmen wir daher beispielsweise an, du investierst einmalig 10.000 € in einen ETF:
20 € + 0,10 % + 2 € ergeben deshalb noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, was dein ETF pro Jahr kostet. Die TER läuft während deiner Anlage weiter, während Spread und Ordergebühren mit einzelnen Transaktionen verbunden sind. Hinzu kommen je nach Angebot mögliche Depot- oder Servicegebühren.
Depot- oder Servicegebühren | Sie hängen von deinem Anbieter und dem gewählten Angebot ab. |
Ordergebühr | Verlangt dein Anbieter 2 € pro Order, fällt dieser Betrag beim Kauf und gegebenenfalls später erneut beim Verkauf an. |
Spread | Bei einem angenommenen Spread von 0,10 % spielt dieser Kostenfaktor beim Handel eine Rolle. Also etwa beim Kauf oder Verkauf. |
TER | Bei 0,20 % entsprechen die laufenden Kosten rechnerisch 20 € pro Jahr. Sie werden direkt im Fonds berücksichtigt. |
20 € + 0,10 % + 2 € ergeben deshalb noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, was dein ETF pro Jahr kostet. Die TER läuft während deiner Anlage weiter, während Spread und Ordergebühren mit einzelnen Transaktionen verbunden sind. Hinzu kommen je nach Angebot mögliche Depot- oder Servicegebühren.
Worauf solltest du beim Vergleich der Kosten achten?
Wichtig ist, dass du bei einer Investition in ETFs immer ein Auge auf die Kosten hast. Dabei kannst du aber nicht pauschal verschiedene ETFs miteinander vergleichen.
Beispiel: Du vergleichst zwei ETFs auf den MSCI World. ETF A hat eine TER von 0,15 %, ETF B von 0,20 %. Ist ETF A damit automatisch die günstigere Wahl?
Nicht unbedingt. Bevor du dich für die kleinere Zahl entscheidest, schau genauer hin.
Vergleiche zuerst, was drinsteckt Bilden beide ETFs denselben Index ab? Investieren sie also in vergleichbare Märkte und Unternehmen? Erst dann wird ein Kostenvergleich wirklich aussagekräftig. Ein ETF mit niedrigerer TER ist schließlich keine günstigere Alternative, wenn er etwas ganz anderes abbildet.
Schau über die TER hinaus Nehmen wir an, beide ETFs bilden den MSCI World ab. Jetzt kannst du die laufenden Kosten sinnvoll vergleichen.
Aber auch der Spread am Handelsplatz und Orderkosten deines Anbieters gehören zum Bild. Vielleicht ist ETF A bei deinem Broker kostenlos im Sparplan verfügbar, ETF B nicht. Oder einer der beiden lässt sich mit einem engeren Spread handeln, was sich gerade bei größeren Summen bemerkbar machen kann.
Der Kostenvergleich endet deshalb nicht bei 0,15 % versus 0,20 % TER. Auch die tatsächliche Indexnachbildung spielt eine Rolle.
Fazit: Nicht nur der ETF entscheidet über deine Kosten
0,15 oder 0,20 % TER? Darüber lässt sich lange vergleichen. Dabei entstehen einige Kosten gar nicht im ETF selbst, sondern dadurch, wie du investierst.
Kaufst du regelmäßig per Sparplan, sind andere Kosten relevant als bei einzelnen größeren Orders. Handelst du häufig, spielen Spread und Ordergebühren öfter eine Rolle. Nutzt du zusätzliche Services, kommen wiederum andere Kosten hinzu.
Die spannendere Frage ist deshalb nicht nur: Was kostet dieser ETF? Sondern: Welche Kosten entstehen bei der Art, wie ich ihn nutze?
Schau deshalb nicht nur auf die 0,15 oder 0,20 % neben dem ETF-Namen. Entscheidend ist, welche Kosten bei deiner Art zu investieren tatsächlich entstehen.
Häufige Fragen zu ETF-Kosten
Felix Coutandin-Freund
ETF-Professional
Felix ist seit über 15 Jahren am Kapitalmarkt investiert. Bei VisualVest sorgt er dafür, dass kompliziertes Finanzwissen verständlich wird.

Artikel weiterempfehlen
Du fandest den Artikel informativ oder hilfreich? Dann teile ihn gern mit Menschen in deinem Umfeld – vielleicht ist er auch für sie interessant.
Die Geldanlage in Fonds ist mit Risiken verbunden, die zu einem Verlust deines eingesetzten Kapitals führen können. Historische Werte oder Prognosen geben keine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Bitte mach dich deshalb mit unseren Risikohinweisen vertraut.