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Verfasst am: 7.10.2026

Ausschüttende oder thesaurierende ETFs – wo liegt der Unterschied?

Kind pflückt Blumen auf einer sonnigen Wiese.

Du hast den passenden ETF gefunden und möchtest endlich investieren. Und dann kommt die Frage, über die fast alle ETF-Einsteiger*innen stolpern: ausschüttend oder thesaurierend? Was ist das überhaupt?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden und andere Erträge regelmäßig auf dein Konto aus.

  • Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder im ETF an.

  • Beide ETF-Varianten können denselben Index nachbilden und dieselben Unternehmen

    enthalten; sie unterscheiden sich lediglich im Umgang mit den Erträgen.

  • Welche Variante besser zu dir passt, hängt von deinen Präferenzen ab: auszahlen lassen für

    regelmäßiges passives Einkommen oder automatisch wieder anlegen, um den

    Zinseszinseffekt voll zu nutzen.

  • Beide ETF-Typen bieten Chancen und Risiken. Die Wahl zwischen ausschüttend und thesaurierend entscheidet jedoch nicht über die zu erwartende Rendite.

    Was passiert mit den Erträgen?

    Ausschüttende und thesaurierende ETFs unterscheiden sich vor allem darin, was mit den Erträgen passiert. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden, Zinszahlungen und andere Erträge regelmäßig auf dein Konto aus. Thesaurierende ETFs legen diese Erträge automatisch wieder an.

    Beide ETF-Varianten können denselben Index abbilden und somit in dieselben Unternehmen investieren. Die Begriffe „ausschüttend“ und „thesaurierend“ sagen also nichts darüber aus, worin der ETF investiert. Sie beschreiben lediglich, wie der ETF mit seinen Erträgen umgeht.

      Vergleich von ausschüttenden und thesaurierenden ETFs: Bei ausschüttenden ETFs werden erzielte Erträge auf das Konto ausgezahlt. Bei thesaurierenden ETFs werden die Erträge automatisch wieder im ETF angelegt.

      Was ist ein ausschüttender ETF?

      Ein ausschüttender ETF zahlt Dividenden und andere Erträge regelmäßig an die Anleger*innen aus. Das Geld wird auf dein Verrechnungskonto überwiesen und steht dir anschließend frei zur Verfügung.

      Du entscheidest also selbst, was mit den Auszahlungen passiert. Du kannst sie beispielsweise ausgeben, wieder in den ETF investieren oder auf eine andere Weise sparen. Anders als bei einem thesaurierenden ETF werden die Erträge nicht wieder automatisch im Fonds angelegt.

      Vorteile eines ausschüttenden ETFs:

      • Erträge stehen dir direkt auf deinem Verrechnungskonto zur Verfügung.

      • Möchtest du die Ausschüttungen nutzen, musst du dafür keine ETF-Anteile verkaufen.

      Das solltest du beachten:

      Die Erträge eines ausschüttenden ETFs werden nicht automatisch wieder investiert. Möchtest du sie für den langfristigen Vermögensaufbau nutzen, musst du die Ausschüttungen selbst erneut anlegen. Auf die ausgeschütteten Erträge fallen allerdings in der Regel Steuern an, daher hinterlege nach Möglichkeit einen Freistellungsauftrag bei deinem Anbieter.

        Was ist ein thesaurierender ETF?

        Thesaurierend bedeutet, dass Ausschüttungen nicht ausgezahlt, sondern automatisch wieder im Fonds angelegt werden. Dividenden und andere Erträge fließen direkt zurück in den Fonds und werden erneut investiert, anstatt auf deinem Konto zu landen. Die Erträge bleiben damit Teil deines Investments.

        So bleiben auch die Erträge investiert, ohne dass du dich selbst um die Wiederanlage kümmern musst.

        Vorteile eines thesaurierenden ETFs:

        • Erträge bleiben direkt investiert, statt zunächst auf deinem Verrechnungskonto zu landen.

        • Die Wiederanlage läuft automatisch. Du musst dich nicht selbst darum kümmern.

        Das solltest du beachten:

        Bei einem thesaurierenden ETF erhältst du keine regelmäßigen Auszahlungen auf dein Verrechnungskonto. Möchtest du Erträge für laufende Ausgaben nutzen, musst du stattdessen Anteile des ETFs verkaufen. Dabei können Kosten oder steuerliche Auswirkungen entstehen. Es bietet sich daher auch bei dieser Variante an, einen Freistellungsauftrag bei deinem Anbieter zu hinterlegen.

          Schon gewusst?

          Dividenden sind alles andere als Nebensache: Laut MSCI machten sie in den vergangenen 20 Jahren rund 40 % der Gesamtrendite des MSCI World aus. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob ein ETF ausschüttet oder thesauriert, sondern ob die Erträge investiert bleiben oder wieder angelegt werden.

          Quelle: MSCI, Dividend Points Indexes

            Ausschüttend oder thesaurierend – die wichtigsten Unterschiede im Überblick

            Bis hierhin ist klar: Nicht unbedingt der ETF ist ein anderer, sondern der Umgang mit seinen Erträgen. Was das für dich konkret bedeutet, zeigt der direkte Vergleich.

              Ausschüttender ETF

              Thesaurierender ETF

              Ertragsverwendung

              Erträge werden regelmäßig ausgezahlt.

              Erträge werden automatisch wieder angelegt.

              Verfügbarkeit der Erträge

              Ausschüttungen stehen dir auf dem Verrechnungskonto zur Verfügung.

              Erträge bleiben im Fonds investiert.

              Wiederanlage

              Möchtest du die Erträge wieder investieren, musst du selbst aktiv werden.

              Die Wiederanlage erfolgt automatisch.

              Laufende Auszahlungen

              Möglich, ohne dafür ETF-Anteile verkaufen zu müssen.

              Möchtest du Geld entnehmen, musst du in der Regel ETF-Anteile verkaufen.

              Aufwand

              Bei einer Wiederanlage musst du dich selbst darum kümmern.

              Kein eigener Aufwand für die Wiederanlage.

              Steuern

              Ausschüttungen können steuerpflichtig sein.

              Auch ohne Ausschüttung können Steuern anfallen, etwa durch die Vorabpauschale.

              Welche ETF-Variante passt zu welchem Anlageziel?

              Die eigentliche Frage ist nicht: Welche Variante ist besser? Sondern: Was möchtest du mit den Erträgen machen, sobald sie da sind?

              Du möchtest langfristig Vermögen aufbauen

              Du zahlst jeden Monat in deinen ETF-Sparplan ein und sparst für Ziele, die noch weit in der Zukunft liegen, etwa für mehr finanzielle Freiheit oder deine Altersvorsorge? Dann kann ein thesaurierender ETF praktisch sein: Die Erträge werden automatisch wieder angelegt, ohne dass du selbst aktiv werden musst, und du kannst vom Zinseszinseffekt profitieren.

              Du möchtest deine Ausschüttungen nutzen

              Du möchtest nicht nur sehen, wie sich dein Depot entwickelt, sondern zwischendurch auch etwas von den Erträgen haben? Bei einem ausschüttenden ETF landen sie auf deinem Verrechnungskonto. Du kannst das Geld ausgeben oder wieder investieren.

              Du möchtest von Mal zu Mal entscheiden

              Heute Erträge wieder investieren, nächstes Jahr das Geld für etwas anderes nutzen. Mit einem ausschüttenden ETF bleibst du grundsätzlich flexibler. Wichtig ist nur zu beachten: Möchtest du Erträge wieder anlegen, musst du dich allerdings selbst darum kümmern.

                Hat die Wahl Einfluss auf die Rendite?

                Bringt ein thesaurierender ETF automatisch mehr Rendite als ein ausschüttender? Diese Annahme hält sich hartnäckig, trifft so aber nicht zu.

                Wie sich ein ETF entwickelt, hängt vor allem davon ab, in welche Unternehmen oder Märkte er investiert und wie sich diese entwickeln. Ob Erträge ausgezahlt oder automatisch wieder angelegt werden, macht einen ETF für sich genommen also nicht renditestärker.

                Entscheidend ist, was danach mit den Ausschüttungen passiert. Wenn dein ETF beispielsweise 100 € auszahlt: Investierst du das Geld wieder, kann es weiter an der Wertentwicklung des Marktes teilhaben. Nutzt du die 100 € dagegen für ein Wochenende mit Freund*innen oder eine Anschaffung, verlässt das Geld dein Investment.

                Über viele Jahre kann die Wiederanlage einen spürbaren Unterschied machen. Denn auch die erneut investierten Erträge können wiederum Erträge erwirtschaften. Dieser Effekt wird häufig als Zinseszinseffekt bezeichnet. Bei einem thesaurierenden ETF passiert die Wiederanlage automatisch. Bei einem ausschüttenden ETF kannst du denselben Mechanismus nutzen, wenn du die Ausschüttungen selbst wieder investierst.

                  Welche Rolle spielen Steuern?

                  Keine Auszahlung, keine Steuer? So einfach ist es leider nicht. Steuerlich können sowohl ausschüttende als auch thesaurierende ETFs relevant sein. Einen pauschalen Vorteil hat keine der beiden Varianten.

                  Bei einem ausschüttenden ETF werden die ausgezahlten Erträge steuerpflichtig – sofern dein Freistellungsauftrag bereits ausgeschöpft ist. Aber auch bei einem thesaurierenden ETF können Steuern anfallen, obwohl das Geld im Fonds bleibt. Hier kommt die sogenannte Vorabpauschale ins Spiel: Sie führt dazu, dass ein Teil der Erträge bereits während der Haltedauer besteuert wird.

                  Wie hoch die Vorabpauschale ausfällt, wird jedes Jahr neu berechnet. Wichtig: Beim späteren Verkauf werden bereits versteuerte Vorabpauschalen berücksichtigt. Dieselben Erträge werden also nicht doppelt besteuert.

                  Und was bedeutet das für dich? Wie viel Steuer tatsächlich anfällt, hängt unter anderem von deinen Kapitalerträgen und davon ab, ob du deinen Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft hast.

                  Wenn du bei deiner persönlichen Steuersituation unsicher bist, kann eine steuerliche Beratung sinnvoll sein.

                    Fazit: Welche ETF-Variante passt zu dir?

                    Mach aus der Entscheidung keine Grundsatzfrage. Ausschüttend oder thesaurierend ist keine Wahl für immer und oft auch nicht die wichtigste Entscheidung bei der ETF-Auswahl. Index, Kosten, Diversifikation und die Frage, ob ein ETF überhaupt zu deiner Strategie passt, verdienen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit.

                    Bei der Ertragsverwendung kannst du es deshalb pragmatisch halten: Möchtest du Erträge auf deinem Konto sehen und selbst darüber entscheiden, ist die ausschüttende Variante naheliegend. Möchtest du dich möglichst wenig um die Wiederanlage kümmern, erledigt ein thesaurierender ETF diesen Schritt ganz automatisch für dich.

                      Häufige Fragen zu ausschüttenden und thesaurierenden ETFs

                      Felix Coutandin-Freund

                      ETF-Professional

                      Felix ist seit über 15 Jahren am Kapitalmarkt investiert. Bei VisualVest sorgt er dafür, dass kompliziertes Finanzwissen verständlich wird.

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                      Die Geldanlage in Fonds ist mit Risiken verbunden, die zu einem Verlust deines eingesetzten Kapitals führen können. Historische Werte oder Prognosen geben keine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Bitte mach dich deshalb mit unseren Risikohinweisen vertraut.