15.11.2018

Warum die Wasserknappheit dein Investitionsverhalten beeinflussen sollte

Konstant hohe Temperaturen, Badewetter von April bis Oktober, aber auch unerträgliche Hitze und so gut wie kein Regen – der diesjährige Sommer hatte es in sich. So sehr sich manch einer über den ungewöhnlich langen und heißen Sommer freute, so sehr litten andere darunter. Landwirte klagten über Ernteeinbußen um bis zu 30 Prozent, die sie wegen der anhaltenden Dürreperiode hinnehmen mussten. Hierzulande sind solche extrem trockenen Phasen und die damit einhergehende Wasserknappheit noch selten, in anderen Regionen der Welt hingegen an der Tagesordnung.

Wir haben uns hierzu folgende Fragen gestellt: Was können wir als Verbraucher gegen die weltweite Wasserverknappung tun? Können Einzelpersonen überhaupt Einfluss auf die Wasservorräte unserer Erde nehmen? Und wie sollten wir unsere Geldanlagen mit Blick auf das Thema aufstellen? Dazu haben wir Sustainability Analystin Verena Kienel und Portfoliomanager Nedim Kaplan von Ökoworld befragt, einem führenden Unternehmen im Bereich ethisch-ökologischer Kapitalanlagen, dessen Fonds auch ein Baustein unserer GreenFolios sind.

Wie steht es um die weltweiten Ressourcen und den Verbrauch von Wasser?

Verena Kienel: Dass es generell um die Wasserressourcen weltweit nicht gut steht, ist bekannt. Dabei gilt nicht nur der Klimawandel als Ursache für Wasserknappheit, sondern auch unser Umgang mit Wasserressourcen. Die menschenverursachte Verschlechterung des Zustandes der Ökosysteme, Feuchtgebiete und Wälder während der letzten Jahrzehnte haben zu Problemen in den Wasserkreisläufen geführt. Gleichzeitig steigt der Wasserverbrauch auf Grund von Bevölkerungswachstum, wirtschaftlichen Entwicklungen und verändertem Konsumverhalten jedes Jahr weiter. Bereits heute leben ca. 3,7 Milliarden Menschen in Regionen, die mindestens an einem Monat pro Jahr unter Wasserknappheit leiden. Diese Zahl wird schätzungsweise auf 4,8 bis 5,7 Milliarden Menschen im Jahr 2050 steigen. 1,8 Milliarden Menschen sind bereits heute durch Wüstenbildung und Dürre betroffen. Leider ist Wasserknappheit regional unterschiedlich ausgeprägt, so dass Menschen vor allem in Asien stärker darunter leiden als in anderen Regionen.

Sind auch wir in Deutschland von der Wasserknappheit betroffen?

Verena Kienel: Generell gilt Deutschland als ein wasserreiches Land. Dieser Sommer hat uns jedoch gezeigt, dass Wasserknappheit auch in Deutschland zu einem Problem werden kann, insbesondere in der Landwirtschaft. Obwohl die öffentliche Trinkwasserqualität und -versorgung in Deutschland vom Umweltbundesamt als gut bis sehr gut gilt, gibt es hierzulande andere Probleme, die sich langfristig auf den Wasserzustand auswirken werden. Hierzu zählen bspw. die Grundwasserbelastung durch Nitrat, zu hohe Stickstoff- und Phosphorkonzentrationen in Flüssen und der ökologische Zustand der Seen und Gewässer. Bei allen diesen Aspekten hinkt Deutschland in Europa hinterher, verletzt Richtwerte und/oder hat Ziele nicht erreicht. Die Konsequenzen daraus sind noch nicht ganz absehbar, werden jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen auf die Wasserqualität und Biodiversität haben.

Was können wir tun, um die Situation zu verbessern?

Verena Kienel: Sicherlich sollte bei dieser Frage auch berücksichtigt werden, wo das meiste Wasser weltweit verbraucht wird: in der Landwirtschaft (70%) und in der Industrie (20%), hier vor allem bei der Stromerzeugung. Das soll natürlich nicht heißen, dass Haushalte und Verbraucher nicht ebenso ihren Beitrag leisten können. Denn der Bevölkerungsanstieg wird in den kommenden Jahren verstärkt zu einem erhöhten Wasserbedarf beitragen. Bei dem eigenen, direkten Wasserverbrauch gibt es zahlreiche Maßnahmen, die von Verbrauchern ergriffen werden können; die meisten davon sind sicherlich bekannt, bspw. kürzere Duschzeiten, Regenwassersammlung zur Gartenbewässerung, wassereffiziente Haushaltsgeräte, etc. Allerdings sollte bei der Betrachtung des Wasserverbrauchs auch der indirekte Wasserverbrauch berücksichtigt werden, welcher bei der Herstellung von Produkten und Konsumgütern anfällt. Dies wird als Wasserfußabdruck eines Produktes bezeichnet. Zum Beispiel wird bei der Erzeugung und Verarbeitung tierischer Produkte sehr viel Wasser verbraucht, u. a. durch importierte Futtermittel. Daher können Verbraucher/innen durch die Verringerung des Fleischkonsums und den Kauf von Bio-Fleisch weltweit dazu beitragen, den Wasserverbrauch zu verringern. Ein weiteres Beispiel ist die Textilherstellung, bei welcher durch den Baumwollanbau und das Färben sehr viel Wasser verbraucht wird – je weniger Kleidungsstücke gekauft und verwendet werden, desto besser. Auch bei der Energieversorgung spielt Wasser eine Rolle: Der Wasserbedarf in Kraftwerken zu Kühlungszwecken, sei es Kohle oder Atomkraft, ist sehr hoch - zusätzlich zu den daraus entstehenden Umweltschäden. Der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, bspw. Wind und Solar, kann somit indirekt Wasser einsparen. Bezieht man bei dieser Frage zudem den Aspekt der Wasserverschmutzung bspw. durch Mikroplastik oder Medikamentenrückstände mit ein, lassen sich weitere Maßnahmen ableiten: Kosmetikartikel ohne Mikroplastik kaufen, Medikamente sicher entsorgen, weniger Auto fahren (Reifenabrieb gelangt als Mikroplastik in Böden und Gewässer), und viele weitere. Eine weitere Möglichkeit, aktiv gegen die Wasserknappheit vorzugehen, ist eine nachhaltige Geldanlage. Anleger sollten bei der Auswahl ihrer Investition prüfen, wen sie mit ihrem Geld unterstützen. Ganz im Sinne dieses Themas investiert Ökoworld nicht nur mit unserem Wasserfonds Water for Life, sondern auch mit unseren anderen nachhaltigen Fonds gezielt in Unternehmen, die bspw. Produktlösungen und Dienstleistungen für Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Wasseraufbereitung und -recycling sowie Wasserinfrastruktur anbieten oder zum Erhalt der Qualität natürlicher Wasserspeichersysteme beitragen oder die Effizienz der Wassernutzung verbessern. In unseren Universen sind nicht nur Produzenten erneuerbarer Energien vertreten, sondern auch Unternehmen wie bspw. Electrolux, welches wassereffiziente Haushaltsgeräte herstellt. Auch bei der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung gibt es zahlreiche Unternehmen, die mit einem nachhaltigen Ansatz überzeugen. Unternehmen wie Nestlé, die aus entlegenen Regionen in Flaschen abgefülltes Mineralwasser importieren, gehören im Übrigen nicht dazu.

Wie funktionieren nachhaltige Fonds und wo liegen hier die Vorteile?

Nedim Kaplan: Nachhaltige Fonds haben unter Beachtung sozialer, ethischer und umweltpolitischer Aspekte die Aufgabe, eine positive Rendite für ihre Anleger zu erwirtschaften. Hier trennt sich aber schon die Spreu vom Weizen, denn viele Fondsanbieter am Markt beanspruchen für sich, nachhaltig zu sein, können aber weder ausreichend qualifiziertes Personal auf der Nachhaltigkeits- noch auf der Portfoliomanagement-Ebene vorweisen. Glaubhaft können Fonds also nur dann nachhaltig sein, wenn ein Fondsanbieter ausreichend Experten auf beiden Seiten stellt. Zudem sollte der Fondsanbieter eine klare Vorstellung darüber haben, was ethisch, sozial und umweltfreundliches Wirtschaften tatsächlich bedeutet. Damit legt der Fondsanbieter fest, welche Vermögenswerte in die Fonds Eingang finden und welche nicht. Mit unseren Experten auf beiden Seiten erfüllen wir bei der Ökoworld alle notwendigen Bedingungen.

Die Vorteile tatsächlich nachhaltiger Fonds liegen somit auf der Hand: Eine fundierte Analyse der investierbaren Vermögenswerte trägt maßgeblich dazu bei, dass im Nachhaltigkeitsprofil aufgezeigte Risiken vermieden bzw. reduziert werden. Bei Ökoworld kann zudem das Fondsmanagement durch smarte und umweltfreundliche Geschäftsmodelle Renditen für Anleger erwirtschaften.

Müssen nachhaltige Anleger Kompromisse bei der Rendite eingehen?

Nedim Kaplan: Die Nachhaltigkeitsanalyse von Vermögenswerten zeigt Risiken auf, die bei einer konventionellen Finanzanalyse zunächst nicht auf dem Radar erscheinen. Daraus lässt sich schließen, dass man gewisse Risiken zumindest minimieren kann. Ein prominentes Negativbeispiel hierzu ist der aktuell anhaltende VW-Abgasskandal oder auch das fragwürdige Verhalten von RWE im Hambacher Forst. Andererseits sollte bei einem guten, nachhaltigen Fondsanbieter der Fokus auf zukunftsorientierte Geschäftsmodelle und Vermögenswerte ausgerichtet sein, die beispielsweise von einer stärkeren Regulierung im Bereich des Umweltschutzes oder der Vermeidung von Verpackungsmüll profitieren.

Unser Fondsmanagement konnte seit der Übernahme des Ökoworld Water for Life Fonds im Dezember 2016 bis zum September 2018 eine Outperformance von fast 17 % gegenüber dem Dow Jones World Water Index erzielen. Diese Überrenditen erreicht man nur, wenn das Ökosystem bestehend aus Fondsmanagement und Nachhaltigkeitsanalyse Hand in Hand zusammenarbeitet.     

Über Ökoworld

Die seit 1999 börsennotierte Ökoworld AG (vormals versiko AG) ist ein führendes Unternehmen im Bereich ethisch-ökologischer Kapitalanlagen. Über 40 Jahre Erfahrung fließen in die Entwicklung und Auflegung eigener Produkte ein. Im Vertrieb werden über die ethisch-ökologische Vermögensberatung über 50.000 Kunden und Kundinnen bundesweit betreut.

Über die Experten

Verena Kienel hat seit 2017 einen MBA im Sustainability Management von der Leuphana Universität Lüneburg. Sie hat zudem einen Master (MSc) in International Business Economics aus Großbritannien. Verena hat über 10 Jahre Arbeitserfahrung in der Finanzbranche, u.a. in London und Luxemburg. Während ihrer Zeit in London arbeitete sie 10 Jahre für eine internationale Investment Bank, wo sie institutionelle Investoren betreute und mittels Risikoanalysen zu internationalen Finanzmärkten beriet. Hierbei lag ihr Schwerpunkt auf den Schwellenländern.

Nedim Kaplan verstärkt das Asset Management-Team der Ökoworld als Portfoliomanager und Analyst. Der Diplom-Kaufmann bringt seit 2012 seinen breiten Erfahrungsschatz in das Team der Ökoworld LUX ein, den er im Asset Management bei Invesco, Deka Investments und Cominvest sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erworben hat. Schwerpunkte seiner Arbeit als Analyst und Co-Portfoliomanager im Bereich Asset Management waren u. a. die Analyse von Aktien in Frontier und Emerging Markets.

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